Besichtigungsfahrt in Sachen Nahwärmenetz – Positives Beispiel macht Mut

Immer gut, wenn man sich vorher mal ansehen kann, wie es nachher aussehen könnte! Die Besichtigungsfahrt nach Ebenweiler, wo aktuell ein Nahwärmenetz aufgebaut wird, brachte viele wichtige Informationen. 

 

Ebenweiler, mit rund 1200 Einwohnern und 380 Haushalten in etwa in der selben Größenklasse wie Inneringen, entsteht zur Zeit ein Nahwärmenetz mit rund 4,8 km Länge und etwas über 100 Anschlussnehmern. Die benötigte Wärme liefert eine Biogasanlage mit 500 kWth, die knapp 600 m nördlich der Ortslage liegt. Eine Ausgangslage also, die durchaus mit Inneringen vergleichbar ist. 

Die Biogasanlage selbst besteht schon einige Jahre, die Idee zum Nahwärmenetz wurde geboren, als einige Einwohner bei den Betreibern anfragten, ob sie nicht ihre Wärme von dort beziehen können.

   

„Herzstück“ ist die Verteilerzentrale, hydraulisch günstig am tiefsten Punkt der Ortslage gelegen.

Ulrike Lorinser vom gleichnamigen Ingenieurbüro und Projektentwickler Jörg Dürr-Pucher vom Büro Clean Energy stellten dort zusammen mit Vertretern der Nahwärmenetz-Genossenschaft das Projekt vor.

  

In isolierten Stahlrohren wird die Wärme dann zu den einzelnen Gebäuden geleitet. Sinnvollerweise werden die Grabarbeiten dazu genutzt, auch gleich Leerrohre für eine künftige Glasfaseranbindung und damit für blitzschnelles Internet mitzuverlegen. Die entsprechenden Kosten trägt die Gemeinde, die auch einen kleinen Anteil an den Grabungskosten trägt. 

Über einen Mehrsparten-Hausanschluss kommen die Wärmeleitung, das Steuerkabel für die Übergabestelle und das Glasfaser-Leerrohr ins jeweilige Gebäude.

     

Bis einschließlich der Übergabestation „gehört“ das Netz der Genossenschaft, nach dem Wärmetauscher beginnt das Hausnetz. Ist schon eine Warmwasserzentralheizung vorhanden, muss die Zuleitung nur mit den Verteilerpumpen verbunden werden. Im besichtigten Haus kann der früher für den Öltank genutzte Kellerraum durch den Anschluss nunmehr anderweitig genutzt werden – man gewinnt also Raum.

  

Dort, wo die Leitungsverlegung schon abgeschlossen ist, sind die aufgegrabenen Straßen schon wieder ordentlich asphaltiert.

Die Teilnehmer der Besichtigungsfahrt zeigten sich ebenso beeindruckt von der Leistung der Ebenweilener Genossenschaft wie überzeugt davon, dass ein solches Projekt auch in Inneringen gelingen kann. Auf die Fragebogenaktion haben sich immerhin schon über 100 potenzielle Interessenten gemeldet, und man kann durchaus davon ausgehen, dass entlang den konkret zur Realisierung anstehenden Trassen noch weitere Gebäudeeigentümer überzeugt werden können.  

Schließlich ist eine solche Investition ein wesentlicher Schritt zur Wertsteigerung einer Immobilie: Ein Nahwärmeanschluss bietet den aktuellen und auch den künftigen Eigentümern die Gewähr, dass für das Thema „Investitionen in die Heizung“ ein für alle mal gegessen ist. Und mit dem sicherlich ebenfalls kommenden Leerrohr für den Glasfaseranschluss wird ein zweites Argument für eine dauerhafte Attraktivität eines Gebäudes geliefert.

In den kommenden Wochen sollen nun konkrete Gespräche geführt werden, damit dann zeitnah auch die entsprechenden Förderanträge gestellt werden können. Klar ist aber auch: Das Dorf wird sich bewegen müssen, um solch ein Jahrhundertprojekt stemmen zu können. Wem etwas daran liegt, dass Inneringen gut gerüstet in die Zukunft gehen kann, der sollte sich wirklich überlegen, der Sache beizutreten. 

Die finanzielle Seite ist solide und vor allem auch günstig: In Ebenweiler kostet die Kilowattstunde 7,9 Cent, bei einer Ölheizung (Ölpreis 80 Cent, Wirkungsgrad 70%) sind das 11,4 Cent und damit über 40% mehr. Die „Investition“ beschränkt sich auf den Genossenschaftsanteil und ein Pflichtdarlehen, welches allerdings verzinst und zurückgezahlt wird.

In der Rechtsform einer Genossenschaft bleibt die Wertschöpfung zudem im Dorf und fließt eben nicht nach Russland und Saudi-Arabien ab. Schon früher wurden Einrichtungen für das ganze Dorf immer wieder genossenschaftlich organisiert. Erinnert sei hier nur an die Molkereigenossenschaft oder auch die Gemeinschaftsgefrieranlage.

Auch hier gilt das, was der Alte Fritz schon vor ein paar Jahrhunderten gesagt hat: „Was tun? Was tun!“!

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