Fledermäuse überwintern in der Tiefenhöhle „Otternzopf“

Um die Tiefenhöhle “Otternzopf” (umgangssprachlich “Oadrazopf”) ranken sich viele Sagen und Geschichten. Sicher ist  nur eins: Die Fledermäuse mögen die Höhle.

In Baden-Württemberg sind wenigstens 23 Fledermausarten heimisch und stehen unter Naturschutz. Während die Tiere im Sommer in Bäumen, in Dächern oder auch Nistkästen wohnen, zieht es einige Arten für den Winterschlaf auf die Schwäbische Alb. Im Wald zwischen Inneringen und Emerfeld gibt es eine Tiefenhöhle, genannt der Otternzopf. Dort verbringen braune Langohren und große Mausohren ihren Winterschlaf. Die Höhle birgt allerdings auch andere Dinge – Knochen und Schädel von Tieren, jede Menge Geröll und ein paar Geschichten, die die älteren Bürger von Emerfeld und Inneringen zu erzählen wissen.

Es geht 20 Meter senkrecht nach unten – mitten im Wald bei Emerfeld. Wer hinein will, braucht eine lange Leiter, besser noch eine Kletterausrüstung. Jetzt im Winter darf der Schlaf der Tiere nicht gestört werden. Aber im Sommer war Roland Teufel, Revierleiter des Emerfelder Forstes, schon in der Höhle.

Gestaltet ist sie wie eine Kuppel, die oben ein Loch hat. „Die Höhle ist unten breiter als oben“, erklärt der Forstmann.

Zuerst gehe es elf Meter senkrecht nach unten, dann treffe man auf eine Geröllhalde und eine Vielzahl an Tierknochen. Dann gehe es noch einmal zehn Meter nach unten. „Dort ist es dann zappenduster und kalt.“ Etwa acht Grad habe die Temperatur dort unten, sagt Teufel. Im Winter bedeutet das allerdings, dass die Höhle frostsicher ist und damit ideal als Winterschlafplatz für die Fledermäuse. „Die hängen in den Seitenspalten“, weiß Teufel.

Im Frühherbst beginnt die Wanderung der Tiere in die Winterquartiere, die oft in einer anderen Landschaft liegen und 1000 Kilometer entfernt sein können. In Baden-Württemberg ist die Schwäbische Alb ein beliebtes Überwinterungsquartier. Die Tiere verkriechen sich in Höhlen, Stollen, Keller oder Felsspalten. Andere hängen sich an die Decke. Über die Zahl der Tiere, die sich im „Otternzopf“ befinden, kann Teufel nichts sagen.

Manfred Schäffler und Manfred Hiller waren vor 20 Jahren in der Emerfelder Höhle. Die beiden gehören der Arbeitsgemeinschaft (AG) Fledermausschutz Baden-Württemberg an. Die Mitglieder des eingetragenen Vereins kartieren die Regionen und leiten ihre Ergebnisse an die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) weiter. Acht Große Mausohren und weitere Fledermäuse hätten sie damals in der Höhle im Emerfelder Wald gezählt, sagt Manfred Schäffler. Für die damalige Zeit sei die Zahl ganz ordentlich gewesen, so der Fledermausschützer. Auf die heutige Zeit gerechnet, könnte man die Zahl wahrscheinlich verdoppeln. Anfang der 80er Jahre war die Zahl der Fledermäuse an einem Tiefpunkt angelangt. Ihr Lebensraum wurde durch Insektizid-Einsatz und Zerstörung der Jagdgebiete immer geringer, das Nahrungsangebot wurde ungenügend. Durch den Schutz der Tiere hat sich ihre Anzahl in manchen Quartieren wieder erholt.

Dass in der Höhle eine Vielzahl an Tierknochen liegen, stört die Fledermäuse nicht. Bevor es die Tierkörperbeseitigung Warthausen gegeben hat, wurden in der Höhle Tierkadaver entsorgt. „Da liegen Schädel von Pferden drin“, sagt Teufel.

Auch für das viele Geröll und die Steine hat der Forstmann eine Erklärung. Früher sei die Emerfelder Dorfjugend am Sonntagnachmittag in den Wald gezogen. Unterwegs hätten sich die Jungs die Hosentaschen mit Steinen gefüllt. Die warfen sie in die Höhle, um dem tiefen Aufprall zu lauschen.

Weitere Geschichten ranken sich um die geheimnisvolle Höhle. So sollte mit ein paar Dosen Petroleum, die in die Höhle geschüttet wurden, geprüft werden, wohin die Gänge führen. Im Bach vor Langenenslingen habe es dann nach Sprit gestunken. Die Geschichte habe ein alter Mann aus Inneringen erzählt.

Auch den Namen der Höhle, der neben „Otternzopf“ auch „Adernzopf“ lautet, können Schäffler und Teufel erklären. Die Bezeichnung „Otternzopf“ gehe auf die Paarungsumschlingung von Kreuzottern oder anderen Schlangen zurück. „Das sieht dann zopfartig aus“, so Schäffler. „Adernzopf“ sei auf Wasseradern zurückzuführen, weiß Teufel.

Quelle: Schwäbische Zeitung
Bilder: Roland Teufel

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