Der Glockenturm von innen

Foto: Gerold Roth

Anlässlich des Patroziniums zeigte Simon Teufel einen Film, den er im Inneringer Kirchturm gemacht hat. Nachdem nicht alle Einwohner/innen dabei waren, ist dieser Film auch online abrufbar.

Etwas zur Geschichte der Kirche:

Ausweislich der von Johannes Maier und Siegfried Kretzdorn verfassten Ortschronik stammt der untere Teil des Kirchturms, nämlich die ersten vier Geschosse, aus der Zeit vor 1600. Im Jahr 1626 und damit mitten im 30-jährigen Krieg hat der Pfarrer Georg Benkler die Erhöhung um das fünfte Geschoss (der noch viereckige Turm mit den Nischen in der Fassade) vornehmen lassen. Zur Finanzierung hat der Geistliche durch eigene Spenden und durch Spendensammlungen in den benachbarten Klöstern, Städten und Gemeinden gesorgt. Die Turmerhöhung wurde seinerzeit mit einem aufgehängten Gerüst ausgeführt, das Turmdach hatte als Aufsatz noch ein kleines Türmchen. Da das Wetter im Jahr 1626 zeitweise schlecht war, konnten die Maler und der Kupferschmid nicht immer arbeiten, die Unterkunft und Zehrung waren daher sehr ins Geld gegangen.

Bei der Erhöhung des Kirchturms im Jahr 1864 wäre auch die Gemeinde zum Teil baupflichtig gewesen. Auf Grund der desolaten Finanzlage der Gemeinde hat sie schon im Jahr 1846 darum gebeten, dass die Inneringer Pfarrei eine Zeit lang nicht besetzt werden solle, so dass die finanziellen Mittel für den Kirchenneubau angespart werden könnten. 1847 hatte die Gemeinde schließlich bei der fürstlich fürstenbergischen Regierung beantragt, dass sie von der Baupflicht befreit werden solle. Sie erklärte sich aber bereit, die Frondienste beim Turmaufsatz zu übernehmen. Dieser Bitte wurde dann von der Kammer in Donaueschingen entsprochen. Bürgermeister Josef Kleckh bittet 1858 darum, den Kirchenneubau zu verschieben, da die Gemeinde den Verlust und Schaden vom Hagelschlag 1853 noch nicht ganz überwunden hätte.

1860 möchte der neue Pfarrer Philipp Bartholomäus Mayer den Kirchenneubau erneut verschieben, so dass er sich erst einige Jahre ungestört der religiösen und sittlichen Erziehung der Gemeinde widmen könne. Dieser Bitte wurde aber vom Erzbischöflichen Ordinariat nicht entsprochen, im März 1861 wurde mit dem Abbruch der alten Kirche begonnen.

Bis Mitte Oktober 1861 wurden die Umfassungswände auf 2/3 ihrer Höhe gemauert. Im Jahr 1862 wurde dann die Kirche im Rohbau mit Dach fertiggestellt, 1863 erfolgte dann der Innenausbau (Fenster, Türen usw.). 1864 wurde dann die Erhöhung des Kirchturms vorgenommen. Das Geld für die Turmerhöhung stammte aus dem Kirchenbaukapital, die Gemeinde musste die Frondienste bezahlen. Die Turmerhöhung kostete 7142 Gulden, die Frondienste 1600 Gulden. Ein Teil der Bauführung (Architekt, usw.) wird auch noch auf den Turm entfallen sein (Gesamtkosten ca. 18054 Gulden).

Den Entwurf für die neue Kirche stammte von dem Architekt Vincenz Statz in Köln, es sollte eine Musterkirche für die Hohenzollerischen Lande werden. Tatsächlich weisen die Kirchen in Langenenslingen und Neufra architektonische Ähnlichkeiten auf. Die Bauausführung unterstand dem Fürstl. Hofkammerbaurat Josef Laur aus Sigmaringen.

Die Taufglocke aus dem 14. Jahrhundert

Im II. Weltkrieg mussten auch in Inneringen die Glocken zur Munitionsherstellung abgeliefert werden, so dass nur noch die kleine Taufglocke (aus dem 14. Jahrhundert) zum Läuten vorhanden war.

Zwei der drei Nachkriegsglocken

Nach dem Krieg wurden 3 neue Glocken…

Glocke aus dem Jahr 1720

… und die große, alte Glocke aus dem 17. Jahrhundert wieder im Glockenstuhl aufgehängt.

Im Jahr 2018 wurde die Glockentechnik erneuert und die Aufgänge, Glockenstuhl, sowie auch die Dachkonstruktion restauriert. Die Glocken waren vorher an Stahljochen aufgehängt, auf Grund des Alters war hier ein Bruch nicht ganz auszuschließen, weiter wurden die Schwingungen über die Stahljoche verstärkt an den Turm übertragen. Diese Schwingungen werden nun durch die neuen Eichenholzjoche gedämpft. Die Uhren, Schlagwerke und Glocken werden mit einer digitalen Steuerung betrieben, die auch funkgesteuert ist. Allerdings ist noch das alte Getriebe und der alte Antrieb für die vier Turmuhren vorhanden, so dass hier noch Ungenauigkeiten möglich sind.

Weitere Informationen zum Turm und zu den Glocken gibt es auf der Seite der Erzdiözese Freiburg.

Vielen Dank an Simon Teufel für Film, Fotos und Informationen!

2 Gedanken zu „Der Glockenturm von innen

  1. Sehr schöne Einblicke,

    eine Frage zu den Glocken.
    Wenn älle im II Weltkrieg zur Munitionsherstellung abgeliefert werden mußten, außer die Taufglocke, woher stammt dann die jetzige große Glocke aus dem 17. Jh ?

    Grüße Bernd

  2. Die große Glocke aus dem 17.Jhd. war auch zum Einschmelzen vom Turm herunter genommen worden, sie wurde jedoch nicht eingeschmolzen und konnte später wieder aufgehängt werden. Es wurde wohl auch eine weitere Glocke nicht eingeschmolzen, sie kam dann auch nach Inneringen zurück, hatte jedoch einen Riss, so dass sie nicht mehr verwendet werden konnte.

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